Ich hatte kürzlich einen Termin bei meinem Zahnarzt, bei dem mir einiges klar geworden ist. Nicht über meine Zähne, sondern über ein ganz zentrales Thema unserer Gesellschaft …

Eine andere Generation

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich ist so ein Zahnarztbesuch nichts, auf das ich mich freue. Obwohl die dortige Praxis-Crew medizinisch wirklich toll ist, betrete ich die Räume immer mit einer gewissen Angespanntheit. Den Damen an der Rezeption bleibt das natürlich nicht verborgen – auch an diesem Tag nicht. Und doch raunzte mich eines der jungen Mädchen hinter der Theke auf eine Art an, die nicht nur unhöflich, sondern richtiggehend aggressiv war.

Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Was mir danach jedoch noch mehr zu denken gab, war die Reaktion meines Zahnarztes, dem ich von dem Vorfall berichtete. 

Er sagte zu mir: „Frau Karalus, es tut mir ja leid, aber Sie müssen das verstehen: Das ist eine andere Generation.“

Ich schnappte nach Luft.

Eine Frage des Alters?

Ich frage mich seither, ob Respekt wirklich eine Frage des Alters ist. Nein, eigentlich frage ich mich das nicht: Ich bin ganz klar der Ansicht, dass es nie zu früh ist, Kinder zum Respekt zu erziehen und dass man nie zu alt ist, Respekt zu zollen. Dazu sollte man sich überhaupt erst einmal bewusst sein,  was Respekt überhaupt ist.

Denn ich habe den Eindruck, dass das kaum einer noch so genau weiß – nicht nur unter den jungen Leuten. Aber gerade die, die Sie in der U-Bahn oder auf der Straße immer wieder sich gegenseitig: „Ey, Respekt, Alter!“ zurufen hören, wissen es offensichtlich am wenigsten. Ich fürchte fast, das liegt daran, dass es ihnen nie jemand beigebracht hat. Doch warum nur?

Übertoleranz? Feigheit? Faulheit?

Gut möglich, dass eine falsch verstandene Toleranz einen davon abhält,  darauf aufmerksam zu machen, wenn es an Respekt fehlt. Doch noch viel häufiger scheint mir, dass wir uns einfach nicht mehr trauen, rechtzeitig (!) dagegen zu steuern.

Respektvolles Verhalten ist gerade nicht in Mode und viele befürchten, als von gestern abgetan zu werden, wenn sie sich in diesem Sinne zu Wort melden.

Vielleicht liegt es auch daran, dass Respekt etwas ist, dass Sie zunächst immer erst geben müssen, bevor Sie es bekommen. Wir müssen also in Vorleistung gehen. Und dafür müssen wir gelernt haben, wie das geht: das respektvolle Verhalten. 

Ich glaube, dass kein Kind zu klein ist, um respektvolles Verhalten vorgelebt und gelehrt zu bekommen. Wenn wir respektloses Verhalten bei Kindern und Jugendlichen einfach mit einem Schulterzucken und der Bemerkung „die sind halt so“ abtun, tun wir ihnen und uns keinen Gefallen und die Auswüchse können wir fast täglich in der Presse verfolgen.

Ein Zeichen von Menschlichkeit

Wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich die junge Arzthelferin vor versammelter Mannschaft angesprochen habe, antworte ich mit: Nein, das habe ich nicht. Ich habe nicht deshalb in diesem Moment darauf verzichtet, weil ich zu nachlässig oder zu feige war. Ich habe es ganz bewusst nicht getan, weil in diesem Rahmen die Eskalation ansonsten unvermeidlich gewesen wäre. 

Es geht meines Erachtens nicht darum, respektlos handelnde Menschen bloßzustellen. Es geht vielmehr darauf, ihnen ihr Verhalten und die Folgen bewusst zu machen. Denn die sind erheblich!

Die einzige Tugend

Respekt ist der „Klebestoff“, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Wenn wir uns für eine einzige Tugend entscheiden müssten, um diese Welt im Lot zu halten, dann ist das Respekt. Geht er verloren, sehe ich nicht, wie wir noch weiterhin gut zusammenleben können.

Damit Sie dieses besondere Thema gut ansprechen können, brauchen Sie den richtigen Rahmen und den richtigen Ton. Was ich damit konkret meine und wie Sie das nächste Mal, wenn Ihnen Respektlosigkeit begegnet, gut reagieren können, erfahren Sie in meinem nächsten Blog.

Lassen Sie uns Respekt leben und einfordern – von uns selbst und von den anderen. Nur so verhelfen wir der Menschlichkeit zur Macht! 

#MachtMenschlichkeit