Unser Leben krempelt sich gerade total um. Bisher Unvorstellbares wird in kürzester Zeit Alltag. Ein Virus entwickelt sich in schockierendem Tempo von einem weit entfernten Medienereignis zu einer realen Bedrohung – in unseren Gesellschaften, unseren Unternehmen und Schulen, unseren Freundeskreisen, unseren Familien. Angst verbreitet sich. Corona zeigt sich als Bedrohung, wie sie die meisten bisher nie erlebt haben.

Doch gleichzeitig wachsen im Dunkeln Lichtzeichen heran. 

In der Gefahr lernt das Individuum die Gemeinschaft wieder zu schätzen. Überall finden wir Beispiele dafür. Nachbarn bringen Menschen, die in häuslicher Quarantäne bleiben müssen, das Essen aus dem Supermarkt mit. Junge Menschen organisieren sich, um anderen zu helfen. In der Krise wachsen wir zusammen und wachsen über uns hinaus. Wir merken, dass vieles Trennende nur scheinbar trennt. Nicht die Bedeutung hat, die wir ihm zumessen. Und wir lernen, dass die wirklich wichtigen Menschen nicht unbedingt die sind, die man gemeinhin dafürhält.

Wirklich wichtig sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankenhäusern, Altenheimen und Rettungswesen, bei Polizei und Feuerwehr, in Supermärkten, Drogerien, Apotheken, Tankstellen und in den Unternehmen, die alle mit den nötigen Waren versorgen. Sie sind die, die im Stillstand das Leben am Laufen halten. 

Und warum ist das so? Weil sie etwas tun. Sie reden nicht, sondern handeln.  

Fällt es nur mir auf, dass entschlossenes Handeln in den letzten Jahren so selten geworden ist? Es zeigt sich wieder in diesen Tagen. Auf der einen Seite die klug daherredenden Bedenkenträger und Relativierer. Die Übervorsichtigen, die erst die Stimmung der Bevölkerung erforschen, bevor sie ihr Fähnchen in den Wind der Mehrheit hängen. Und auf der anderen Seite die, die etwas tun. Die sich mit Experten vernetzen, sich schlau machen lassen. Und dann entschlossen entscheiden.

Auch dann, wenn diese Entscheidungen unpopulär sind und wenn die Umfragen dagegen sprechen. Das Handeln ist stärker als das Reden. Gerade dann, wenn uns die Zeit davonläuft. Viele Menschen sind im derzeitigen Stress im Neandertaler-Modus unterwegs. Egoistisch, unsozial, unüberlegt und impulsiv.

Setzen wir dem, die positive Nebenwirkung von Corona entgegen: Wir denken nach, wägen Optionen ab und handeln dann entschlossen. Wir denken an die Gemeinschaft, nicht an uns zuerst.

In Spanien und Italien bringt die wochenlange Zwangsquarantäne in den Häusern ein ganz neues Gemeinschaftsgefühl mit sich. Menschen treffen sich auf den Balkonen, um gemeinsam zu singen. In vielen anderen europäischen Ländern gehen Menschen um 21:00 auf die Straße, in den Garten und klatschen – schenken denjenigen Applaus, die uns helfen, die sich für uns einsetzen. Was ein unglaublich schönes grenzüberschreitendes Orchester!

Das neue soziale Leben zeigt sich überall. Und es ist ansteckend. Nutzen wir diese Chance und versuchen wir, sie in die Zeit nach Corona zu retten. Wie sieht für Sie Solidarität aus? Was bedeutet für Sie Zusammenhalt?