Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten die meisten Menschen in Europa fast keinerlei Möglichkeiten, über ihr Leben zu entscheiden. Allenfalls Kaiser, Könige oder Fürsten genossen eine gewisse Freiheit. Alle anderen waren gezwungen, innerhalb sehr enger Vorgaben zu leben und das zu akzeptieren, was für sie entschieden wurde.

Im Vergleich dazu sind wir mit unseren heutigen Möglichkeiten des Mitbestimmens und Mitentscheidens alle kleine Königinnen und Könige.

Umso erstaunlicher, dass viele aus dieser Macht gar nichts machen, ihre Stimme und ihre Einflussmöglichkeiten verfallen lassen.

Was kann ich allein schon bewirken?

Zu denen, die ihre Einflussmöglichkeiten selbst entwerten, zählen zum Beispiel die vielen Menschen, die nicht zur Wahl gehen – mit dem Argument „Meine Stimme bewirkt doch sowieso nichts“.

Oder die, die lamentieren: „Was kann ich als einzelne Person im kleinen Deutschland schon gegen den Klimawandel tun, wenn das Verhalten der Chinesen und Amerikaner viel größere Auswirkungen hat?“

Das wirkt nur auf den ersten Blick souverän und frei. Tatsächlich macht man sich klein. Man verschenkt seine Möglichkeit, Dinge mit zu gestalten. Man sagt im Prinzip: „Entscheidet ihr für mich.“ Mit dieser sich selbst reduzierenden Haltung geht man durch sein Leben. Und strahlt entsprechend nichts aus und motiviert auch keine anderen.

Ohnmacht ist meist selbst gewählt

Viele Menschen machen den Fehler, das gesamte Bild zu betrachten: Ich kleiner Mensch auf der einen Seite, die ganze Welt auf der anderen Seite. In dieser Betrachtung ist fast jeder von uns ganz eindeutig machtlos.

Aber dieser Blick ist falsch. Jeder erfolgreiche Unternehmer weiß, dass auch gigantisch anmutende Projekte in einzelne Schritte aufgeteilt werden und man nacheinander diese kleinen Schritte abarbeitet. Nur so kann man die Motivation eines Teams aufrecht halten und Frustrationen auf dem Weg zur Zielerreichung vermeiden.

Genauso gibt es für jeden Menschen den logischen nächsten Schritt im Hinblick darauf, worauf er mit seinem Handeln Einfluss nehmen kann. Das ist sicher nicht die ganze Welt. Aber fast immer ist das der Kreis von persönlichen Kontakten, die wir regelmäßig oder gelegentlich haben.

Jeder kann Vorbild sein

In einem persönlichen Umfeld hat auch eine einzelne Stimme durchaus Gewicht. Denn wer beispielsweise wählen geht, tut dies aus einer eigenen Haltung heraus, die er auch nach außen tragen kann. Dadurch wiederum können andere Menschen im eigenen Umfeld durch die eigene Vorbildfunktion beeinflusst werden.

Dasselbe gilt für klimaschädliches oder klimafreundliches Verhalten. Mag sein, dass es für die Umwelt nicht wirklich relevant ist, wenn ich versuche, mehr Strecken mit dem Rad zurück zu legen. Oder wenn ich auf Lebensmittel verzichte, die um die halbe Welt geflogen werden.

Wenn ich aber solch eine Haltung nach außen lebe, beeinflusse ich andere in meiner Umgebung, die dann vielleicht auch ins Nachdenken kommen und ihr Handeln ändern.

Mitstreiter gesucht

Das ist Ihnen zu wenig Wirkung? Dann vervielfachen Sie Ihre Stimme, indem Sie Mitstreiter suchen. In Vereinen, NGOs oder bei politischen Parteien freut man sich auf Sie und gibt Ihnen eine Plattform, Ihre Stimme mächtiger zu machen.

Wenn Sie es also nicht sowieso schon längst tun: Machen Sie etwas aus Ihrer Macht. Stehen Sie zu Ihrer Meinung und versuchen Sie, diese bei passenden Gelegenheiten nach außen zu vertreten. Handeln Sie so, wie Sie es für richtig halten und sprechen Sie darüber. Leben Sie damit, dass viele andere vielleicht nicht so handeln und nehmen Sie das nicht als Vorwand für eigene Untätigkeit.

Machen Sie sich selbst groß, statt sich selbst Ihre Einflussmöglichkeiten zu nehmen. Denn sonst bleibt Ihnen am Ende nur, sich als vermeintlich kleine Frau oder kleiner Mann über „die da oben“ aufzuregen.